Schulsozialarbeit ist längst unverzichtbarer Bestandteil eines modernen Schulalltags. Sie baut Brücken, stärkt Kinder und Jugendliche, begleitet Familien und entlastet Lehrerinnen und Lehrer. Dass die Gemeinde Oyten in diesem Bereich hervorragend aufgestellt ist, ist jedoch alles andere als selbstverständlich. Die Gemeinde investiert seit vielen Jahren bewusst neben den Stellen die durch das Land finanziert werden in zusätzliche Stellen – weil Kinder und Jugendliche diese Unterstützung brauchen und verdienen.
Was die kommunale Sozialarbeit am Standort Schule ausmacht, berichten die aktuell fünf Schulsozialarbeiterinnen der Gemeinde Oyten.
Nah an den Kindern – fachlich und menschlich
Ob Prävention, Beratung oder Krisenbegleitung: Schulsozialarbeit bedeutet vielfältige Aufgaben. An der IGS und an den Grundschulen können die Präventionsangebote im eigenen Haus durchgeführt werden – etwa zu Themen wie Medienkompetenz, Sozialverhalten, sexuelle Grenzachtung und Suchtprävention. Oft suchen Jugendliche nach solchen Angeboten bewusst das Gespräch: „Ich muss mal mit jemandem reden.“
Vertrauen ist dabei das Fundament der Arbeit. Ein geschützter Raum, Schweigepflicht, eine offene Haltung – all das macht Gespräche möglich. Die Themen reichen von klassischen Konflikten bis zu schweren persönlichen Belastungen. „Manchmal ist es nur Zuhören, manchmal sind es richtig schwere Themen“, so das Team. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen die Schulsozialarbeit, um schwierige Schritte zu üben: „Manche probieren ihr Coming-out zuerst bei uns“, berichtet Jana Hoffmeyer-Liedtke von der IGS Oyten.
Der Kontakt zur Schulsozialarbeit ist niedrigschwellig, freiwillig und ohne Bewertung. Und die Schulsozialarbeiter*innen begleiten Kinder oft über viele Jahre.
Ein politischer Wille – und eine bewusste Entscheidung
Als die IGS Oyten aufgebaut wurde, entschied die Gemeinde, die Schulsozialarbeit massiv zu stärken. Drei von der Gemeinde finanzierte Fachkräfte mit insgesamt 67 Wochenstunden arbeiten dort heute Seite an Seite mit einem weiteren vom regionalen Landesamt für Schule und Bildung finanzierten Kollegen. Diese personelle Ausstattung ist im Vergleich zu vielen anderen Orten außergewöhnlich. Für Bürgermeisterin Röse eine richtige Entscheidung, denn gerade in der Schulzeit werden viele entscheidende Weichen für den weiteren Lebensweg gestellt – und je früher Unterstützung ansetzt, desto nachhaltiger kann sie wirken. Gleichzeitig betont Sie, dass hier kommunale Mittel für eine Aufgabe aufgewendet werden, die eigentlich das Land Niedersachsen finanzieren müsste.
Für die Schulsozialarbeiterinnen in Oyten ist klar, es braucht diese zusätzlichen Stellen: „Wir sind stolz darauf, welche Qualität wir durch diese Ressourcen bieten können“, sagt Hoffmeyer-Liedtke. „Bei uns gibt es kaum Fluktuation – das zeigt, wie gut die Rahmenbedingungen sind. Und: Das, was wir haben, ist eigentlich das Minimum, das es braucht.“ Anne Fehn betont: „In der Gemeinde wurde immer darauf geachtet, gut qualifizierte Fachkräfte einzustellen. Das ist absolut entscheidend.“
Gute Schulsozialarbeit braucht eben mehr als Personal: Sie braucht Anerkennung, Akzeptanz, Unterstützung, Verlässlichkeit, Konstanz und ein funktionierendes Team.
Ein besonderes Kompliment: Wenn ehemalige Schüler sich Jahre später melden und sagen: „Ohne Sie hätte ich das nicht geschafft.“
Wichtige Partner im Schulalltag
Der Austausch mit Lehrkräften gelingt in Oyten hervorragend. Das sieht man an Präventionsprojekten, an der Zusammenarbeit bei Schulentwicklungsprozessen und den Schutzkonzepten.
An den Grundschulen sind die Schulsozialarbeiterinnen ebenfalls feste Bezugspersonen: mit Streitschlichtung, Präventionsarbeit, Kummerkästen und der Präsenz in Klassen mit herausforderndem Sozialverhalten. In Bassen schätzen die Kinder besonders die offenen Pausen: „Da ist jemand, der Zeit für mich hat“, hört Silvia Kröff regelmäßig.
Herausforderungen der Gegenwart
Die Themen, mit denen Kinder und Jugendliche kommen, haben sich verändert. Social Media spielt eine enorme Rolle – auch in der Grundschule, obwohl Smartphones zum Beispiel an den drei Grundschulen in Oyten im Schulalltag verboten sind. Aber auch Schulvermeidung ist an den Grundschulen schon ein Thema. Das Thema Schulvermeidung sei seit Corona verstärkt, betonen auch die Kolleginnen von der IGS.
Für Veränderungen hat auch der Social Media-Konsum der Kinder gesorgt, sagt Nelli Ziefle. „Viele Jugendliche sind dort ständig unterwegs, gleichzeitig entwickeln sie weniger Lebenskompetenz in der realen Welt“, ergänzt Jana Hoffmeyer-Liedtke.
Weitere Schwerpunkte der Arbeit:
- Berufsorientierung
- Unterstützung bei Neurodivergenz, z. B. Beratung und Begleitung bei der Beantragung von Schulbegleitung
- Elternarbeit – oft auch als Unterstützerinnen der Kinder
„Wir dürfen nicht stehen bleiben. Wir müssen wissen, was Jugendliche gerade beschäftigt“, betont Jugendkoordinatorin Sabrina Abbas. Sie und das Team der Schulsozialarbeiterinnen betonen, wie wichtig diese für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ist. Die Schulsozialarbeit sorgt dafür, dass kein Kind „untergeht“. Sie hilft, Beziehungen aufzubauen, Konflikte zu lösen, Teilhabe zu ermöglichen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln.
Oder wie es die Schulsozialarbeiterinnen zusammenfassen:
„Eine Schule ohne Schulsozialarbeit ist wie eine Mauer ohne Fugenmasse.“
Und auch wenn der Arbeitsalltag manchmal überraschend und manchmal vorhersehbar ist: Jedes Kind, jede Familie, jede Geschichte ist einzigartig. Genau deshalb ist Schulsozialarbeit so wichtig – und genau deshalb braucht sie Fachlichkeit, Vertrauen und ein starkes Netzwerk.
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